Richtstättenweg Passengen

Geschichte

Der Richtstättenweg Passeggen beschäftigt sich mit der Geschichte der Hexenverfolgung im Lungau.
Nicht die Verurteilung der damaligen Gesellschaft, sondern eine sorgfältige Aufarbeitung der Geschichte dieser Zeit ist Ziel des Richtstättenweges Passeggen.
Die Richtstätte und die Brandstätte an der die vermeintlichen Hexen verbrannt wurden, sind heute Orte des Gedenkens. Die historischen Plätze blieben über die Jahrhunderte unverändert, was einzigartig in Europa ist. Die Wegstrecke zwischen den Stationen lässt einem das Gelesene leichter verarbeiten.

Hexen – Wesen

Magische Kulte, Zauberinnen, Schamanen, Wahrsager, Hexen … all dieses fasziniert und verwundert die Menschen seit Jahrtausenden. Alles Unerklärliche und Übernatürliche verlangt nach einer Erklärung … oder auch nicht.

Um das Wesen – „Hexe“ geschichtlich zu erörtern könnte man bis in die römische oder griechische Antike zurückblicken. Doch man muss immer die Verknüpfungen von Gesellschaft, Lebenswelt und Zeitgeist herstellen, um die Zusammenhänge zu begreifen.

Hatten die magischen Kulte der Germanen schon etwas mit „Hexen“ zu tun? Waren die „Hexen“ der Antike auch dasselbe wie die „Liebeszauberinnen“ der Römer? Kommt das Wort „Hexe“ tatsächlich von „hagazussa“, was so viel heißt wie „Wesen das in der Hecke sitzt“?

Die Geschichtsliteratur ist mehr als je zuvor bemüht um die Aufklärung der „Bedeutung - Hexe“.

Doch auf die Auslegung kommt es an: Schöne Frauen mit langen roten Haaren, die sich mit Heilkräutern auskannten oder Hebammen wurden als Hexen hingerichtet – vielleicht ist das eher die Ansicht des modernen Feminismus?

Ist eine Hexe eine Mittlerin zwischen der Welt der Lebenden und der Toten? Mit übernatürlichen Kräften ausgestattet kann sie Geister beschwören und heilt mit Ihren Händen alle Gebrechen - wurde sie dafür verfolgt und hingerichtet? Dieses Bild hat die Esoterik für sich bestimmt.

Fakt ist, dass Männer wie Frauen hingerichtet und verbrannt wurden und viele davon sogar ein hohes Lebensalter hatten. Es gab keinen Unterschied ob sie etwas über Heilkräuter wusste, mit den Toten sprechen konnten oder Übernatürliche Kräfte hatten – jeder konnte denunziert, verhaftet, gefoltert und hingerichtet werden. Das heimtückische daran waren die Gerichtsprozesse, die nahezu keine Chance auf Gerechtigkeit zuließen, denn wenn man wegen Zauberei- oder Hexerei angeklagt war, so gab es kein entkommen mehr.

Der Begriff – „Hexe“

Die Verfolgung von Hexen und der Begriff „Hexe“, wie wir ihn in unserem Projekt verwenden, bekommt erst im 15. Jahrhundert eine Bedeutung – und zwar eine abscheuliche.

Die damit verbundene Geschichte ist das Thema am Richtstättenweg Passeggen. Die Natur überwuchert mit fortschreitender Zeit die Orte der grausamen Hinrichtungen unschuldiger Menschen. Zu oft verwischen daher die Spuren zwischen Wahrheit und Mythos.

„Erst wenn man die Frühe Neuzeit mit all ihren Entwicklungsströmungen, gesellschaftlicher und geistig-philosophischer Natur, mit ihren historisch-politischen Wendungen, mit ihren existenzbedrohenden Krisensituationen, Kriegen, Hungersnöten und Seuchen zu verstehen weiß, gelingt es, vielleicht, die Entstehung des Hexenbegriffs und des Glaubens an Hexen zu verstehen.“ (Zitat: Lars Börner in „Hexen, Mythos und Wirklichkeit“).

Die Anfänge der Hexenverfolgungen

Bis ins Mittelalter blieben Zauberer und Hexen im Grunde ein Randphänomen. Doch im 12. und 13. Jh. lösten Missstände in der Kirche Ketzereien vor allem in Frankreich und Oberitalien in einem Maß aus, dass Papst Gregor IX. 1232 zum todeswürdigen Abfall vom Glauben erklärte und die Verfolgung von Ketzern der Inquisition (= „Untersuchung“) übertrug. Die christlichen Fürsten in ganz Europa folgten alsbald diesem Beispiel und werteten Ketzerei als todeswürdiges Majestätsverbrechen. Dominikaner (der Orden der hinter den Inquisitoren stand) spürten fortan Ketzer auf die sie der staatlichen Justiz zur Hinrichtung übergaben.

Papst Alexander IV. entschied 1260, dass Hexerei mit Ketzerei gleichzusetzen und von der Inquisition zu verfolgen sei. Und er sprach den Dominikanern ein Drittel des eingezogenen Vermögens von Ketzern, Hexen und Zauberern zu. Die Theologie lieferte hinterher die wissenschaftliche Begründung: Ohne Pakt mit dem Teufel ist Hexerei unmöglich, also ist hexerischer Schadenzauber zugleich Ketzerei und deshalb todeswürdig.

Das Alte Testament nennt den Teufel Widersacher Gottes, in dessen Allmacht es liege, den Teufel in Schach zu halten oder ihn als „Zulassung“ wüten zu lassen. Aus dieser Auslegung der Bibel entwickelte sich die Theorie, dass der Teufel die christlich geordnete Welt zerstören wolle. Dazu benötigt er als „geistiges“ Wesen leibhaftige Menschen, die er mit Versprechungen aller Art in einen Pakt lockt. Mit der Unterschrift aus Eigenblut auf einem Dokument werde der Teufelspakt besiegelt. Fortan führe eine Hexe oder ein Zauberer jene Untaten aus, die der Teufel anordnet.

So wurde die Angst vor dem Teufel und den ihm untergebenen Hexen und Zauberern geschürt.

Der Hexenhammer

Mit dem „Hexenhammer“ wurde ein Buch geschaffen, welches seit 1486 als Instrument für die Verfolgung, Verhaftung, Folter und Tötung vermeintlicher Hexen und Zauberer diente. Er basiert auf Schauermärchen und rät in seinem „Kriminal-Kodex“ allen Hexenrichtern, „zum Besten des Glaubens die Rechtsordnung unbeachtet zu lassen“, zu lügen und zu betrügen, „hinterlistige Mittel anzuwenden“ und sogar Dokumente zu fälschen, um Angeklagte zu überführen. Denn nach Ansicht der Autoren versuche der Teufel die Menschen zu täuschen. Dabei sticht besonders die Verachtung der Frauen ins Auge, mit Bezug auf Eva auf das Argument zugespitzt, dass sie sich besonders als „Medium“ des Teufels zum Angriff auf die christliche Welt eigne.

Durch die Erfindung des Buchdruckes erschien dieses gefährliche Werk in 29 Auflagen und war zwei Jahrhunderte lang die wichtigste Schrift und Vorlage zur Verfolgung der Hexen. Die beiden deutschen Autoren – Heinrich (Institoris) Kramer und Jakob Sprenger – sie waren Dominikaner, Doktoren der Theologie und gefürchtete Inquisitoren - bewegten 1484 Papst Innozenz VIII., die berüchtigte „Hexenbulle“ zu erlassen. Darin wurden die angeblich von Hexen verursachten Schäden beklagt. Diese Bulle gab den Inquisitoren die Vollmacht, gegen Ketzer und Hexen mit aller Härte vorzugehen. Jede Form von Magie und Aberglaube bewies einen Abfall vom Glauben und war damit eine Todsünde.

Dazu muss man sich die Sicht der vormodernen Welt vor Augen führen: Die dies- und jenseitige Welt bildeten in der Vorstellung der Menschen eine Einheit. Aus dieser Sicht bewirkte ein Gesetzesbruch nicht nur eine Störung der weltlichen Ordnung, sondern auch eine tiefe Beleidigung und Verletzung Gottes. Die göttliche Vergeltung – das war das Besondere dieser Weltsicht – traf in der Folge nicht nur den Ordnungsbrecher allein, sondern sucht in Form von Kollektivstrafen wie Hungersnöten, Erdbeben, Seuchen oder Kriegen die Gemeinschaft heim. Um derartige Strafen zu vermeiden, war die Abstrafung der Gesetzesbrecher unabdingbare landesherrliche Verpflichtung.
Folgt man dieser Sicht, verwundert es nicht, dass auch das Delikt Gotteslästerung unter die Schwerverbrechen eingereiht wurde, das nach zeitgenössischer Auffassung die Todesstrafe nach sich ziehen musste.

Krisen der Frühen Neuzeit – Seuchen, Hungersnot und Armut

Es gilt als gesicherte Erkenntnis der Geschichte der Hexenprozesse, dass Klimaverschlechterungen im direkten Zusammenhang mit der Hexenverfolgung standen.
Das Überleben der damaligen Gesellschaft hing vom erfolgreichen Ackerbau ab. Man fürchtete kaum etwas mehr als einen Ernteausfall. Schwere Hagelstürme, Unwetter und Überschwemmungen, extreme Trockenheit und Schnee im Sommer sah man als Strafe Gottes an. In der Frühen Neuzeit kam es öfters zu solchen Wetterphänomenen, für das die Hexen die Schuld bekamen. Woher sollte man sich denn erklären, dass das eigene Feld vom Hagel zerstört wurde, das des „lästigen“ Nachbarn aber heil blieb?

Dieser Wetterzauber (incantatio tempestatum) galt also als eine gefürchtete Geheimkunst von Hexen und damit als Werk des Teufels.
Mit allerhand Zeichen, Symbolen oder Talismanen versuchte man das Unheil abzuwenden. War ein schweres Gewitter im Anzug, so wurden die Kirchenglocken geläutet, um die Dämonen und Hexen in den dunklen Wolken zu verjagen. Drudenmesser wurden in die Erde gesteckt, um es regnen zu lassen. Wetterkreuze errichtet oder ein Drudenfuß (das Abwehrzeichen gegen böse Dämonen) auf Tische oder Wiegen geschnitzt. Konnte ein Unwetter abgewendet werden, oder regnete es nach langer Trockenheit wieder, so war das ein Zeichen für die damalige Bevölkerung, dass der Zauber abgewehrt wurde und Gott wieder die rechte Ordnung hergestellt hat. Gelang es nicht, so war es schlicht die Naturgewalt.

Der folgende Exkurs hat weniger mit der Hexenverfolgung zu tun, er zeigt vielmehr auf, wie der Aberglaube zu tätlichen Handlungen führen konnte:

Exkurs – Sturm auf die Kapuziner im Lungau:

Der Fronleichnamstag des Jahres 1645. Die Stimmung der Mariapfarrer und St. Andräer Bauern war aufgeheizt. Als sie nach dem Ende der großen Prozession hinter den Bierkrügen saßen, da tuschelten manche Gruppen so halblaut und verstohlen miteinander, spannen böse Gedanken und Absichten. Höchst unzufrieden waren sie. Die Steuerschraube war durch den Landesfürsten Paris Lodron arg angezogen worden. (Für die Bewahrung des Friedens im Erzbistum Salzburg vor dem 30jährigen Krieg wurde von Paris Lodron viel Geld aufgewandt).

Dazu kam im Lungau noch, dass es schon lange nicht mehr geregnet hatte, so dass die Bauern auch noch um die Ernte bangen mussten. Das war in diesem Jahre umso tragischer, weil es auch in den vorangegangenen Jahren bereits Missernten durch Reif gegeben hatte. Da musste aber nach Ansicht der Bauern jemand die Schuld daran haben. Und sie vermeinten es nun zu wissen:

Schuld seien die Kapuziner, die gerade in Tamsweg ihr Kloster bauten! Sie hätten in den Grundmauern Zaubermittel vergraben, damit diese den Regen abhielten und so der Bau ungestört vor sich gehen könne. Beim Bau des Kapuzinerklosters in Wien sei auch ähnliches beobachtete worden. Ein rotes Männlein mit weißem Bart, habe den Bauern dazu geraten, den Neubau ausgiebig mit Wasser zu übergießen, um diesen Wetterzauber abzuwenden.

Nach Ansicht der Bauern war seit Ankunft der Kapuziner kein gutes Erntejahr mehr gewesen. Sie galten auf einmal als Zauberer und Hexer und man schob ihnen die Missernten der letzten Jahre zu.

Am Abend dieses Tages versammelten sich einige Dutzend Bauern, um Rache an den Kapuzinern zu nehmen. Unter Anführung des Blasius Hinterberger, Schröckerbauer in Bruckdorf, rückten sie mit Säblen, Stöcken und Trommelschlägen gegen Tamsweg aus. Die wütende Menge war auf dem Weg von Mariapfarr nach Tamsweg auf ca. 150 Personen angewachsen. Ein Teil der Rebellen drang in den Markt ein und fiel zunächst mit „schrecklichem Wüten, Fluchen, Schelten und Gotteslästern“ über das Wohnhaus der Kapuziner her, warf ihnen die Fenster ein und drohte ihnen mit dem Umbringen. Dann zog die Horde zur Baustelle des neuen Klosters, durchbrach die Umzäunung, zertrümmerte die Mörteltruhen, leerte die Wasserfrenten aus und stürzte den Marktrichter Blasius Lassacher, der sich dagegen ins Zeug legen wollte, in einen Wassertrog.

Die wild gewordenen Bauern drohten den tamsweger Bürgern mit Brandlegung und dem Totschlagen der Kapuziner.

Nach der ausgiebigen Begießung der Grundmauern beruhigten sich schließlich doch die Gemüter und die Bauern zogen nach dieser nächtlichen Untat wieder ab.

Der Mooshamer Pfleger musste einen genauen Bericht über diese Vorfälle an den Landesfürsten Paris Lodron schicken.

Quelle: Josef Schitter, Heimat Mariapfarr und Klaus, Josefine und Anton Heitzmann, Tamsweg, die Geschichte eines Marktes.

Im Lungau ging es in den frühen Prozessen auch um Schadens- und Wetterzauber. Die größte Verfolgungswelle aber erlebte der Lungau wie auch Salzburg mit den „Zauberer – Jackl – Prozessen.“

Wie es dazu kam, wie die Gerichtsordnung ausschaute, welche Verbrechen den vermeintlichen Hexen und Zauberern angelastet wurden und wer hinter den Verfahren, den Delinquenten und den Richtern stand, wie ein Prozess ablief und welche Leiden die Gefangenen über sich ergehen lassen mussten kann man auf den Informationstafeln am Richtstättenweg Passeggen nachlesen.

Text: Juliane Sampl

Quellen:

Klammer, Peter: Coitus cum diabolo, Der Mooshamer Hexenprozess von 1688/89

Klammer, Peter: Peinliche Ordnung, Von Giftmördern und anderen malefizigen Personen im Erzstift Salzburg

Hutter, Clemens M.: Hexenwahn und Aberglaube: Damals und Heute

Heitzmann, Anton, Josefine, Klaus: Tamsweg. Die Geschichte eines Marktes und seiner Landgemeinden;

Schitter, Josef: Heimat Mariapfarr;

Ausstellungskatalog: Hexen – Mythos und Wirklichkeit mit vielen Beiträgen namhafter Historiker wie Lars Börner;


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